«Jede Sprengung ist anders.»

Emil Parnestam sorgt als Sprengmeister im Johannelund-Tunnel in Stockholm für Vortrieb. Von dieser ungewöhnlichen Arbeit ist er jeden Tag aufs Neue fasziniert.

«Am Anfang ging es mir bei einer Sprengung vor allem um den Kick», gibt Emil Parnestam gleich zu Beginn zu. Inzwischen sei das ganz anders, so der 29-Jährige: «Heute bin ich erst zufrieden, wenn ich nach der Detonation das Resultat sehe und alles optimal abgelaufen ist.»

Parnestam kam 1989 in Stockholm auf die Welt. Bereits früh war ihm klar, dass für ihn nur ein Bauberuf infrage kommt. Er versuchte sich als Maler oder als Zimmermann. Als ihn ein Freund auf die Ausbildung zum Sprengmeister aufmerksam machte, wusste er, dass er seine Bestimmung gefunden hatte. Sein erstes Tunnelbauprojekt war die unterirdisch geführte Stockholmer Stadtautobahn Norra Länken. Später arbeitete er an der Citybanan, einem Eisenbahntunnel unter dem Zentrum der schwedischen Hauptstadt. Seit August 2016 wirkt er am Bau des Johannelund-Tunnels in Stockholm mit.

«Ich bin erst zufrieden, wenn ich nach der Detonation das Resultat sehe und alles optimal abgelaufen ist.»

Emil Parnestam, Sprengmeister

Jede Sprengung ist eine neue Herausforderung

Doch was ist es, das Parnestam an der Arbeit als Sprengmeister so fasziniert? «Jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Nach jeder Sprengung kann sich etwa die Felsstruktur verändern. So trifft man ständig auf neue Situationen, auf die man reagieren muss», erklärt er. Eine Herausforderung seien Untertunnelungen in dicht besiedelten Gebieten unter Strassen oder Häusern. Dann trage der Sprengmeister eine besondere Verantwortung: «Die Vibrationen an der Oberfläche dürfen einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten. Deshalb müssen wir genau berechnen, wie viel Sprengstoff wir einsetzen.» Ganz wichtig sei auch die Erfahrung – etwa wenn der Sprengmeister den Fels nach der Detonation von Hand abtastet: «Mit sehr viel Übung und Erfahrung erhalte ich so einen ersten Eindruck davon, ob Felsbrocken abbrechen und die Arbeiter gefährden könnten.»

Die Sprengung gezielt beeinflussen

Manchmal lassen sich mehrere Sprengungen nach gleichem oder ähnlichem Muster durchführen. Meist jedoch muss die Situation neu beurteilt werden. Ein erfahrener Sprengmeister kann über verschiedene Faktoren Einfluss nehmen – etwa über die Anzahl und die Grösse der Löcher, die in den Felsen gebohrt und mit Sprengstoff gefüllt werden. Schliesslich kommt es auch darauf an, was für eine Menge Sprengstoff eingesetzt wird und in welcher Reihenfolge die Detonationen erfolgen. «Mit einer guten Sprengung schaffe ich die Voraussetzungen dafür, dass sich das herausgelöste Material einfach abtransportieren lässt. Damit kann ich die nachfolgende Arbeit der Jungs erleichtern», erklärt Parnestam.

Tunnelbau im Sprengvortrieb

Die meisten Tunnel werden mit einer Tunnel­bohr­maschine (TBM), im Bagger- oder im Spreng­vortrieb gebaut. Bei hartem und festem Gestein werden primär TBM eingesetzt. Ist der Fels zu weich, könnte die Maschine stecken bleiben. Dann greifen die Mineure auf den Sprengvortrieb zurück (Drill-and-Blast-Verfahren). Bis zu 1500 Kilogramm Emulsions­sprengstoff braucht es für eine Sprengung. Ein Zyklus umfasst das Bohren der Löcher, das Laden mit Sprengstoff, das Sprengen, das Abklopfen und den Abtransport des heraus­gesprengten Materials – Schuttern genannt – und nimmt rund 17 Stunden in Anspruch. Mit jeder Sprengung beim Projekt «Johannelund» ringen die Mineure dem Felsen fünf bis sechs Meter ab. Für eine erfolgreiche Sprengung müssen Anordnung und Zündfolge der Bohrlöcher genau durchdacht sein: Jeder Schuss sollte die Verspannung des Gesteins für den folgenden verringern und so einen maximalen Auswurf bewirken.

Der Schichtbetrieb bietet viel Freiheit

Neben der abwechslungsreichen Tätigkeit schätzt Parnestam auch die «Stockholm-Woche», wie die Arbeiter ihre Schicht nennen. Gearbeitet wird jeweils am Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Dann haben die Mineure Samstag und Sonntag frei, bevor sie Montag, Dienstag und Mittwoch wieder im Tunnel sind. Anschliessend gibt es eine komplette Woche frei, bevor die nächste Schicht beginnt. «Weil ich in Stockholm wohne, kann ich über das freie Wochenende nach Hause. Das ermöglicht mir, viel Zeit mit meiner Freundin und meinen zwei Kindern zu verbringen», freut sich der junge Familienvater. Dass er an einem Schichttag von 7.00 bis 22.00 Uhr unter Tag arbeitet, macht ihm nichts aus: «Wir sind konzentriert bei der Sache und die Stimmung im Team von Implenia ist gut. Zudem gehen wir in den Pausen ans Tageslicht.»

Dass Parnestam einen nicht alltäglichen Beruf ausübt, sorgt auch bei seinen Freunden für Gesprächsstoff. Inzwischen haben sie sich jedoch daran gewöhnt. Etwas Überzeugungsarbeit hat es indes bei der Freundin gebraucht, denn diese habe sich anfangs Sorgen gemacht: «Ich habe sie deshalb mal in den Tunnel mitgenommen und ihr alles gezeigt. Sie hat dann gesehen, dass alles sorgfältig vorbereitet und geplant wird und wir uns nie einem unnötigen Risiko aussetzen würden. Das hat sie sehr beruhigt», sagt Parnestam schmunzelnd.

Der Johannelund-Tunnel

Mit der Stadtumfahrung «Förbifart Stockholm» entsteht am Rande der schwedischen Hauptstadt eine neue Nord-Süd-Verbindung. Die Swedish Transport Administration (Trafikverket) hat Implenia mit der Erstellung des Johannelund-Tunnels beauftragt. Die beiden dreispurigen Hauptröhren haben eine Gesamtlänge von 7,2 Kilometern. Neben dem Tunnel umfasst der Auftrag vier einspurige Zu- und Ausfahrts­rampen, vier Zugangs­tunnel, mehrere Querstollen sowie Strom- und Entlüftungs­stationen. Das Auftrags­volumen beträgt CHF 235 Mio.

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