Pont-Rouge, Genf

Mit «Pont-Rouge» entsteht auf einer Fläche von rund 230 Hektaren ein komplett neuer Stadtteil – rund zwei Kilometer vom heutigen Stadtzentrum von Genf entfernt. «Pont-Rouge» sorgt für eine dynamische Neubelebung des ehemaligen PAV-Industriegebiets, welches die Quartiere von Praille, Acacias und Les Vernets umfasst. Gleichzeitig wird mit dem «Léman Express» und der neuen CEVA-Linie (Cornavin – Eaux Vives – Annemasse) die Erschliessung der Grenzregionen der Schweiz und Frankreich mit dem öffentlichen Verkehr verbessert. Dreh- und Angelpunkt von «Pont-Rouge» ist das grosse Bauprojekt von SBB Immobilien. Es prägt den Raum um den im Dezember 2017 eröffneten Bahnhof Lancy-Pont-Rouge und besteht aus fünf Gebäuden mit Mietobjekten wie Büros, Ladengeschäften oder Restaurants.

Facts & Figures

Projekt:
Baufeld B1, Pont-Rouge

Bauherrin:
SBB Immobilien AG

Nutzung:
Drei Gebäude mit Mischnutzung (Büros, Geschäfte und Restaurants)

Geschossfläche:
100 000 m2

Standort:
Pont-Rouge, Genf

Auftrag Implenia:
Totalunternehmerin

Investitionsvolumen:
CHF 250 Mio.

Fertigstellung:
Winter 2019

Herausforderungen:
Besondere Herausforderung des Projekts ist seine Zertifizierung als nachhaltiges Bauwerk im DGNB-Standard. Die Vorzertifizierung von Pont-Rouge entspricht der Kategorie «Gold».

Mitten im Scheinwerferlicht

Rund um einen neuen Bahnhof im Genfer Stadtteil Lancy wächst das urbane Zentrum «Pont-Rouge». Das Vorhaben ist eines der grössten Bauprojekte der Region. Im Rahmen einer Ausschreibung beauftragte die SBB Immobilien AG im Juni 2015 Implenia als Totalunternehmerin für die erste Etappe auf dem Baufeld B1. Im September 2015 wurde mit den umfassenden Infrastrukturarbeiten begonnen. Der Abschluss der Bauarbeiten ist für Herbst 2018 geplant.

Wie eine nachhaltige Baustelle künftig aussehen könnte, zeigt Implenia im Projekt «Pont-Rouge». Zwei Projektverantwortliche ziehen eine Zwischenbilanz über eine Baustelle, die im Zentrum der Unternehmensphilosophie liegt.

«In der Bauwirtschaft gibt es noch viel zu tun. Unsere Prozesse sind noch nicht so stark standardisiert wie in anderen ­Industrien.»

Benoît Klein, Projektleiter Nachhaltigkeit, Implenia

Effizient und nachhaltig

Warum wird Nachhaltigkeit auch in der Bauwirtschaft immer wichtiger?
Benoît Klein, Projektleiter Nachhaltigkeit: Jedes Unternehmen sollte die Umwelt respektieren und soziale Verantwortung wahrnehmen. Es gibt aber auch immer mehr Gesetze, die man berücksichtigen muss. Gleichzeitig nehmen die Anforderungen unserer Kunden an die Qualität und Termintreue zu. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.

Laurent Jarlégant, Projektleiter «Pont-Rouge»: Nachhaltigkeit wird von immer mehr Bauherren verlangt. So wirbt SBB Immobilien explizit damit, dass «Pont-Rouge» nach den strengen DGNB-Standards erstellt wird. Das ist wichtig, um beispielsweise internationale Konzerne als Mieter zu gewinnen. Über kurz oder lang wird nachhaltiges Bauen zur Norm.

Warum hat das Projekt «Pont-Rouge» Leuchtturmcharakter?
Benoît Klein: Es ist das erste Projekt in der Westschweiz, das nach den Nachhaltigkeitsstandards der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) erstellt wird. Zweitens hat Implenia bei «Pont-Rouge» ein wegweisendes, innovatives Logistikkonzept im Bereich der Bautätigkeit umgesetzt. Und drittens haben wir konsequent unser neues Umweltschutzkonzept für Baustellen angewandt.

Benoît Klein (links), Projektleiter Nachhaltigkeit, und Laurent Jarlégant (rechts), Projektleiter «Pont-Rouge», sind stolz darauf, dass die Grossbaustelle ein Leuchtturm für Nachhaltigkeit ist.

Innovatives Logistikkonzept

Warum haben Sie den Hebel gerade bei der Logistik angesetzt?
Laurent Jarlégant: Bisher nahm auf der Baustelle jeder Subunternehmer das angelieferte Material selber entgegen und transportierte es an den Bestimmungsort. Das ist aber nicht effizient und verursacht Leerläufe. Wir haben die Logistik deshalb in die Hände eines speziell dafür gebildeten Teams gelegt. Dieses kümmert sich mit Unterstützung durch ein Online-Tool um die Entgegennahme, Kontrolle und den Weitertransport des Materials. Die Subunternehmer können sich so voll und ganz ihren Kernaufgaben widmen.

Benoît Klein: Die zentralisierte Logistik erfüllt zudem eine der spezifischen DGNB-Anforderungen. So kontrolliert und validiert das Logistikteam das angelieferte Material sorgfältig, damit etwa keine lösemittelhaltigen Produkte auf die Baustelle gelangen. Und in der Abfallwirtschaft erfolgt die Sortierung direkt vor Ort.

Wodurch zeichnet sich das neue Umweltschutzkonzept für Baustellen aus?
Benoît Klein: Im Jahr 2015 haben wir einen Referenzrahmen für die Themen Abfallwirtschaft, Wasserwirtschaft, Lärmemissionen und Luftreinhaltung erstellt und daraus verschiedene Massnahmen abgeleitet, die wir nun auf der Baustelle «Pont-Rouge» konsequent umsetzen.

Laurent Jarlégant: In der Anfangsphase des Projekts haben wir etwa 112 000 Tonnen Aushub mit der nahe gelegenen Bahn abtransportiert und so über 8600 Lastwagenfahrten gespart. Bis heute wurden auf der Baustelle zudem 2200 Tonnen Abfall getrennt und 72 Prozent davon wiederverwertet. In dieser Testphase haben wir viel gelernt.

Ein Kompetenzzentrum wird aufgebaut

Wie geht es bei Implenia weiter mit nachhaltigem Bauen?
Benoît Klein: Implenia verfügt über ein eigenes Kompetenzzentrum für nachhaltiges Bauen, wodurch wir die gewonnenen Erkenntnisse auf andere Baustellen übertragen können. Es gibt noch viel zu tun, denn unsere Prozesse sind längst nicht so stark standardisiert wie in anderen Industrien. Zudem kommen zunehmend auch die Lean-Prinzipien in der Bauwirtschaft an.

Gibt es konkrete Pläne in der Westschweiz?
Benoît Klein: In einem Bauprojekt für die UNO entsteht mit «Chantier Marguerite» derzeit ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept. Darin erfüllen wir nicht nur strenge Umweltauflagen, sondern engagieren uns auch für die berufliche Integration. Und wir fassen die Erkenntnisse zu nachhaltigem Bauen in Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden zusammen und unterstützen damit den Wissenstransfer etwa in Schwellenländer.

Learnings

  • Im Projekt «Pont-Rouge» konnte Implenia wichtige Erfahrungen mit der Umsetzung der DGNB-Nachhaltigkeitskriterien sammeln.
  • Das wegweisende, neue Logistikkonzept hat die Baustellenlogistik bei einem speziellen Team zentralisiert. Es soll auch in weiteren Projekten eingesetzt werden.
  • Im Rahmen des neuen Umweltschutzkonzepts wurden Massnahmen wie die Abfalltrennung oder Abwasserfilterung zum ersten Mal konsequent umgesetzt.

Baustellenlogistik