Quai Zurich

Seit über 117 Jahren steht der Hauptsitz der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG an prominenter Lage am Mythenquai in Zürich. Implenia hat im April 2017 den Auftrag zur Neugestaltung des Konzernhauptsitzes in Zürich erhalten. Auf einer Grundstücksfläche von rund 10 000 m2 erstellt Implenia einen Ersatzneubau und modernisiert drei unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus dem letzten Jahrhundert. Beim hochwertigen Innenausbau setzt das Projekt «Quai Zurich» auf neuste Technik und wird in der Gesamtkonzeption im Bereich Nachhaltigkeit die Vorgaben des Leadership in Energy and Environmental Design (LEED Platin) erfüllen. Der Neubau wird nach Minergie-P-Eco und die denkmalgeschützten Bestandesbauten nach Minergie Eco zertifiziert. Der gesamte Campus wird das Label 2000-Watt-Areal erhalten.

Facts & Figures

Projekt:
Quai Zurich

Bauherrin:
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG

Nutzung:
Umbau von drei bestehenden denkmalgeschützten Gebäuden sowie Neubau eines Gebäudes am Konzernhauptsitz in Zürich.

Auftrag Implenia:
Totalunternehmerin

Auftragsvolumen Implenia:
mehrstelliger Millionenbetrag

Inbetriebnahme:
März 2020; der Spatenstich erfolgte im September 2017.

Herausforderungen:
Wegen des Denkmalschutzes sind die Brandschutzvorschriften in den umzubauenden historischen Gebäuden sehr hoch. Der schwache Baugrund erfordert grössere Pfählungsarbeiten. Gleichzeitig finden umfangreiche archäologische Untersuchungen statt.

Sicherheitsanforderungen auf Top-Niveau

Bei einer Versicherung gehört das Absichern von Risiken zum Kerngeschäft. Auch auf einer Baustelle geht es um das Vermeiden von Risiken. Implenia setzt sich hohe Standards bei der Arbeitssicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Die Anforderungen im Bereich HSEQ (Health, Safety, Environment and Quality) werden schnell und flexibel in die Prozesse integriert. Dies gilt auch für das Projekt «Quai Zurich».

«Die zu Projektbeginn durchgeführten Rückbauarbeiten verlangten von uns flexibles Handeln», erklärt Martin Wegner, Sicherheitsbeauftragter des Geschäftsbereichs Implenia Buildings, die Situation. «So mussten die Sicherheitsverantwortlichen vor Ort in den Häusern die Notfall- und Fluchtwege sowie den Evakuationsplan während der Abbruchphase nach jedem Baufortschritt laufend anpassen.»

Denkmalschutz als grosse Herausforderung
Die hohen Brandschutzvorschriften bei denkmalgeschützten Häusern sind eine weitere Herausforderung in diesem anspruchsvollen «One Company»-Projekt. Drei Gebäude sind im Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte eingetragen. Sie bleiben erhalten und werden saniert. Bei allen Arbeiten mit offener Flamme oder Funkenflug – sogenannten hot works – muss vorgängig eine Arbeitsgenehmigung bei der Bauleitung eingeholt werden. Und nach Beendigung der Arbeiten muss sichergestellt werden, dass keine Wiederentzündung stattfinden kann. Gegebenenfalls muss eine Brandwache gestellt werden.

Bereichsübergreifende Kommunikation
Die Baustelle «Quai Zurich» bedingt einen grossen Kommunikations- und Abstimmungsbedarf zwischen den Gewerken und ihren verschiedenen Sicherheitsverantwortlichen. Implenia ist mit drei Geschäftsbereichen vertreten. Martin Wegner koordiniert den regelmässigen Austausch mit den Sicherheitsbeauftragten. Wichtigster Kontaktmann auf der Baustelle im Bereich Health & Safety ist der Bauleiter Benny Rosario, Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator beim Projekt «Quai Zurich». Er koordiniert alle sicherheitstechnischen Belange. «Die Baustelle ist zwar sehr komplex und die engen Platzverhältnisse sind eine zusätzliche Herausforderung, aber das Zusammenspiel mit internen und externen Partnern macht meine Arbeit sehr spannend», fasst Rosario seine Aufgabe zusammen.

Für den Schutz und die Bewachung der Baustelle wird zusätzlich mit einer externen Sicherheitsfirma zusammengearbeitet. Diese Firma wird auch für die Zutrittskontrolle bei den in Kürze installierten Drehkreuzen verantwortlich sein. Die Identifikation soll mittels Lesegeräten erfolgen. Bereits heute müssen sich alle externen Partner und Besucher vorgängig anmelden. Stichprobenartige Kontrollen sorgen für das Einhalten der Zutrittsberechtigung.

Martin Wegner (rechts), HSEQ-Beauftragter Implenia Buildings Regionen Zürich und Ost, und Benny Rosario (links), Bauleiter Implenia Buildings Prime, stehen beim Projekt «Quai Zurich» in intensivem Austausch.

Incentive-Programm und webbasierte Sicherheitsschulung
«Wir setzen auf positive Anreize und Motivation», erklärt Martin Wegner. Mitarbeiter, die sich für sicheres Arbeiten einsetzen, erhalten im Rahmen dieses Incentive-Programms eine Scratch Card. Mit diesen Rubbellosen winken Sofortgewinne in Form von Einkaufsgutscheinen im Wert von 20 bis 100 Franken. Die Arbeiter erfahren so eine Wertschätzung, die während des Alltags leicht untergehen kann.

Die neu entwickelte webbasierte Sicherheitsschulung stellt sicher, dass alle auf der Baustelle tätigen Arbeiter und Handwerker über die projektspezifischen Anforderungen und die Sicherheitsregeln informiert und geschult wurden. Die Schulungsbestätigung ist kombinierbar mit der Zutrittskontrolle und kann auf den Badge geladen werden. Es ist geplant, diese webbasierte Sicherheitsschulung ab 2018 als Standard bei allen Projekten von Implenia Buildings einzusetzen.

Vorausschauende Konzeptarbeit statt Kontrolle
«Unsere Arbeit verändert sich grundlegend», hält Wegner fest. Bestand sein Alltag bis vor wenigen Jahren noch praktisch ausschliesslich darin, auf den Baustellen zu kontrollieren, ob beispielsweise die Helmtragpflicht eingehalten oder die vorgeschriebenen Schutzgeländer montiert sind, dominiert inzwischen die vorausschauende Konzeptarbeit. Anspruchsvolle Kundenanforderungen empfindet Wegner aber nicht als Belastung, sondern als Herausforderung. «Wir entwickeln individuelle Lösungen für die Sicherheitsschulungen zu einem grossen Teil selber. Und dann testen wir sie auf der Baustelle. Zeigt sich, dass eine Neuerung positive Auswirkungen hat, setzen wir diese auch auf weiteren Baustellen ein.»

Learnings

  • Entwicklung einer offenen Fehlerkultur
  • Webbasierte Sicherheitsschulung
  • Scratch-Card als Incentive-Programm

Sicherheit liefert einen Return

Jeder Unfall ist einer zu viel. Implenia hat den Anspruch, in Sachen HSEQ eine Topleistung zu erzielen, und treibt deshalb die Verbesserung der Sicherheitskultur in den Geschäftsbereichen seit Jahren systematisch voran. Dass internationale Konzerne als Bauherren die Anforderungsmesslatte immer höher legen, unterstützt Frank Becker, den Leiter HSEQ der Gruppe, bei seinen Bestrebungen.

«Arbeitssicherheit ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition», betont er. Für Becker steht dementsprechend der «Return on Prevention» im Zentrum. Neben direkten Faktoren wie der Verringerung der Unfallzahlen addieren sich zu diesem auch indirekte Verbesserungen. So steigt die Motivation der Mitarbeitenden, wenn sie merken, dass es ihrem Arbeitgeber wichtig ist, dass sie am Abend gesund nach Hause kommen.

«Die Learnings aus anspruchsvollen Projekten bringen jedes Mal auch unsere eigenen Sicherheitsprozesse weiter.»

Frank Becker, Leiter HSEQ Gruppe Implenia

Offene Fehlerkultur

Um die Sicherheitskultur erfolgreich weiterentwickeln zu können, sind für den Fachmann zwei Dinge klar: Erstens muss die Sicherheitskultur Top-down vorgelebt werden. Und zweitens lassen sich nachhaltige Verbesserungen nur in einer offenen Fehlerkultur erzielen: Vorkommnisse jeglicher Art müssen unvoreingenommen und transparent miteinander besprochen werden. Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen, sondern um das Erkennen von Verbesserungsmöglichkeiten.

«Dass HSEQ einen Return liefert, zeigt sich auch darin, dass internationale Konzerne in ihren Bauausschreibungen immer höhere Anforderungen stellen», unterstreicht Becker. Sogenannte «vermeidbare Unfälle» lassen sich sowohl vor den Mitarbeitenden als auch vor der Öffentlichkeit nicht mehr rechtfertigen. Diese Entwicklung ist ganz im Sinne von Implenia.

Für Becker sind anspruchsvolle Projekte wie «Quai Zurich» eine willkommene Herausforderung, die Implenia aktiv annimmt: «Zum einen können wir so zeigen, dass wir in der Lage sind, HSEQ-Anforderungen sehr individuell umzusetzen. Zum anderen bringen die Learnings aus diesen Projekten jedes Mal unsere eigenen Sicherheitsprozesse weiter.»